Die Bedeutung der Fußfehlstellung
Immer wieder lesen und hören wir, dass Leistungssportler
wegen verschleppter Verletzungen des Bewegungssystems mit ihren sportlichen
Tätigkeiten aussetzen oder aufhören müssen. Entstehen diese Verletzungen wirklich
immer durch Überbelastung, oder liegt hier eine tiefere Ursache zugrunde? Ist
die Überbelastung nur ein Auslöser dieser Verletzung?
Störungen der Statik steigern die Verletzungshäufigkeit
In unserer Praxis sehen wir täglich viele Patienten mit chro- nischen Problemen
des Bewegungssystems.
Oft sind es Rückenschmerzen oder Probleme der unteren Extremitäten. Auslöser
ist meist eine Fehlbelastung oder Fehlbewegung, wie sie im Sport sehr schnell
und häufig vorkommt.
Ursache ist oft eine statische Störung, z.B. ein abgeflachter Fuß durch Überbelastung.
Die Fehlstellungen können lange Zeit vom Körper kompensiert werden, diese
Kompensation kostet aber Kraft. Tritt jetzt eine kleine Verletzung auf, so
ist die Belastbarkeitsgrenze überschritten. Der Sportler bekommt Schmerzen,
die behandelt werden müssen.
Die Ruheperiode wird aber so kurz wie möglich gehalten, damit der Trainingsrückstand
minimal bleibt und der Wett- kampfrhythmus so kurz wie möglich unterbrochen
wird. Im Grunde ist die Ruheperiode eigentlich zu kurz und der nachfolgende
Trainingsaufbau zu schnell.
Die Behandlung der muskulären Dysbalance bringt nur vorübergehend Erfolg
Klinische Funktionsuntersuchungen ergeben in der Regel asymmetrische
Muskelverspannungen, Bewegungsein- schränkungen und sehr oft eine Beckenverwringung.
Chiropraktik/Osteopathie und sonstige manuelle Behand- lungen des Bewegungssystems,
eventuell in Kombination mit Neuraltherapie und weitere Behandlungen bringen
für einige Zeit Erleichterung. Die Grundursache wird hiermit aber nicht behoben.
Ursache der Beschwerden ist oft asymmetrische
Fußstellung
Weitere spezifische Untersuchungen weisen häufig auf eine
asymmetrische Fußstellung (statische Belastung) und eine asymmetrische Belastung
in der Bewegung (dynamische Belastung) hin. Eine Fußfehlstellung verursacht
eine Fehl- stellung des Beines und der Wirbelsäule.
Die Fußfehlstellung beeinflusst die Wirbelsäule
Beim Plattfuß z.B. wird durch das Abflachen des Fußes das
Bein kürzer und der Fuß etwas länger (bis zum halben Schuhmaß). Es sind zwar
nur einige Millimeter, aber diese verursachen schon eine Fehlstellung im Becken
und in der Wirbelsäule. Hier liegt der Grund einer erhöhten Basisbelastung.
Desweiteren kippt beim Abflachen des Fußes der Kalkaneus nach vorne und nimmt
den Talus mit. Dadurch, dass sich der Talus mit dem Kalkaneus bewegt, dreht
er gleichzeitig nach innen und die Stabilität im Sprunggelenk lässt nach. Dies
bedeutet eine erhöhte Verletzungsgefahr. Der Unterschenkel folgt der Talusrotation
nach innen und es findet jetzt eine Verdrehung im Kniegelenk statt. Durch dauernd
erhöhte Belastung beim Wettkampf und beim Training entstehen schleichende Verletzungen
um das Kniegelenk und/oder an der Beinmuskulatur. Die erhöhte Spannung im Knie,
durch die Verdrehung, zieht den Oberschenkel mit in die Innenrotation, der Hüftkopf
dreht nachdorsal. Die Oberschenkelmuskulatur bekommt eine andere Spannungsverteilung,
auch hier entsteht eine erhöhte Verletzungsgefahr. (Der. M. rectus. fem. kann
die Streckung nicht mehr, oder nur noch mit erhöhter Kraftanspannung, aufrechterhalten.)
Der nach hinten gedrehte Hüftkopf kippt den Beckenkamm nach vorne und erhöht
die Spannung im Iliosakralgelenk mit Schmerzen, die in den Ischiasbereich ausstrahlen
können (Ilium-Anterior-Verletzung). Diese Symp-tome führen sehr häufig zu der
Fehldiagnose „Bandschei- benvorfall“.
Bei Rückenschmerzen müssen auch die Füße untersucht werden
Eine Fixation im Iliosakralgelenk tritt oftmals auf, vorwiegend
an der Seite, wo die Verdrehung stattgefunden hat. Das Sakrum wird durch seine
psychiologische Lage aber schnell dem nach vorne gekippten Ilium folgen. Dann
entsteht eine Blockade an der anderen Seite, da hier eine Gegenrotation von
Sakrum und Ilium stattfindet. Die lumbale Wirbelsäule rotiert/kippt mit dem
Sakrum (Skoliose mit heterolat. Rotation). Die autochthone Rückenmuskulatur
versucht diese Fehlstellung aufzuheben. Es entstehen Rückenschmerzen.
Auch Kopfschmerzen können durch die Fehlstatik
der Füße entstehen
Die Kompensation der Wirbelsäule kann sich bis in die Kopfgelenke
ausdehnen. Daher erklärt sich auch, dass überall im Körper Beschwerden und Komplikationen
auftreten können. Die übliche Therapie besteht in der Regel aus Massage, Elektrotherapie,
Laser, eventuell mit Osteopathie, Chiropraktik und Neuraltherapie. Selten wird
die Ursache wirklich erforscht, da immer die lokale Überbelastung als die Ursache
angenommen wird. Die primäre Ursache aber liegt jedoch in der Fehlstatik des
Fußes.
Die Fehlstatik ist meist rechts anders als links
Die hier beschriebene Fehlstellung findet bei anderen Fehlhaltungen
in einem ähnlichen Verlauf statt, jedoch mit anderen Muskelverspannungen und
Verwringungen. Selten finden wir rechts und links das gleiche Ausmaß der Fehlstellung
(schon durch den Unterschied Spielbein/Stand-bein hervorgerufen). Das heißt:
Links und rechts finden wir verschiedenartige Verdrehungen mit anderen körperlichen
Belastungszonen. Daher ist eine Fehlstatik immer vom Ursprung anzugehen.
Der Unterschied zu den üblichen Einlagen: Die Sohle folgt der Fußbewegung
Die „Podo-Orthesiologische Sohle“ ist mobil. Sie bewegt sich
mit dem Fuß und beeinträchtigt die Fußbewegung nicht. Durch die gezielte, individuelle
Lagerung der Keile wird der Mensch aktiviert, und er kann mit minimaler Anspannung
eine optimale Statik halten. Die übliche orthopädische Einlage ist eine Unterstützung
des Fußes (Fußbett), die die Beweglichkeit erheblich beeinträchtigt und die
Fußmuskulatur schwächt. Die Fußmuskeln brauchen weniger zu arbeiten, es geht
von der Fußmuskulatur fast keine physiologische Information mehr aus. Der Fuß
kann nicht mehr physiologisch abrollen. Es entsteht eine weitere Fehlstellung
des ganzen Körpers. Der Patient verliert seine Elastizität und Beweglichkeit.
Therapeutische Konsequenz: Einlagen nach dynamischem Fußabdruck
Mit der Podo-Orthesiologie nach Breukhoven haben wir gute
Erfolge gehabt. Nach einer klinischen Funktionsuntersuchung des Patienten wird
ein dynamischer Fußabdruck erstellt. Der Patient geht über den Podograf und
erstellt so einen Blaudruck (Abb. 1). Anschließend stellt der Patient sich auf
das Podoskop, einen Kasten mit einem Spiegel auf dem Boden, der die statische
Fußbelastung wiedergibt. In der weiteren Untersuchung achten wir auf Muskeldysbalancen
und Bewegungseinschränkungen. Anschließend werden unter bestimmte Stellen der
Füße kleine Korkteile von 1-3mm gelegt (auf Muskelspindeln oder Golgizellen).
Diese Korkteile ändern nicht nur die Statik, sondern beeinflussen gezielt Muskelketten.
Abhängig davon, wohin man die Korkteile legt, können sie sowohl aktivieren als
auch beruhigen. Diese Korkteile werden in eine dünne Ledersohle eingearbeitet,
die der Patient dann in jedem Schuh tragen muss. Neben der normalen Podo-Orthesiologischen
Sohle kann auch eine Spezialsohle für Sportschuhe erstellt werden. Diese Sportsohle
ist aus einem speziellen Material hergestellt, das eine beim Sport notwendige
Stoßabsorbtion gewährleistet.
Empfehlung für die Praxis
Untersuchen Sie sehr genau die Fuß-Beinstatik, wenn der Patient
Wirbelsäulenbeschwerden hat oder häufig Sportverletzungen davonträgt. Und tun
Sie etwas für die Füße. Die Patienten sind Ihnen dankbar.